Also hier ein kurzer Rückblick auf die letzte Woche meines Praktikums. Da während der letzten Wochen einige Stunden Unterricht ausfallen mussten, weil die Schüler der 10.Klassen Abschlussprüfungen hatten, werde ich vermutlich Ende März nochmal eine Woche in der Schule verbringen. Geplant ist, dass Philipp und ich das Unterrichtsprojekt, das wir mit einer 10.Klasse angefangen haben, dann weiterführen und hoffentlich auch zu Ende. Insgesamt kann ich sagen, dass die Zeit in der Schule ziemlich schnell vorüber ging. So schnell, dass ich das Gefühl habe, mich gar nicht an den Schulalltag gewöhnt zu haben. Vielleicht ist das auch gut so. Was ich bisher noch nicht erwähnt habe, ist, dass das Lehrerdasein körperlich ganz schön anstrengend sein kann. Auch, wenn die Schüler still vor sich hin arbeiten. Aber vor allem auch, weil die Präsenz des Lehrers für die Schüler wichtig ist, vor allem für die kleineren. Bei den älteren Schülern hatte ich das Gefühl, dass sie sich gut selbst organisieren können. Mir fiel es noch schwer, meinen Körper bewusst einzusetzen, z.B. wenn die Jungs kurz davor waren, sich eins über die Rübe zu hauen oder nicht hören wollten. Philip hat das ganz gut geregelt, indem er sich vor dem betreffenden Jungen aufgebaut hat und seine Präsenz und momentane Macht körperlich inszenierte. Auf jeden Fall hat er es in diesem Moment geschafft, eine direkte Auseinandersetzung zu provozieren und eine Situation herzustellen, in der Ausweichen – von beiden Seiten – nicht mehr möglich schien. Was ich bisher noch nicht so richtig durchschaut habe ist die Wichtigkeit eines Vorfalls. Teilweise kam es mir so vor, als würden die (jüngeren) Schüler alle Tricks und Kniffe anwenden, um das Klassenzimmer – am besten gruppenweise– verlassen zu können. Ich reagierte darauf, indem ich sagte, als Praktikantin könne ich das nicht entscheiden. Damit habe ich die Verantwortung natürlich abgegeben. Aber eben der Entscheidung, ob das, was die Schüler mir sehr ernst erzählen auch wirklich so erst zu nehmen ist, bin ich ausgewichen. Bald mehr. Jetzt erstmal Schulferien.
Februar 27, 2008
3. Woche, Mittwoch
Mittwoch ist immer der längste Tag, sechs Stunden, zwei Pausen. Die ersten beiden Stunden kamen mir etwas langweilig vor. Wir waren aber auch überbelegt: Ein Lehrer, eine Tutorin, zwei Praktikanten. Und alle tigern um die Tische herum und schauen den Schülern über die Schultern. Die sagen dazu meist nichts, aber dennoch kann ich mir vorstellen, dass sie das nicht immer angenehm finden (fände ich ja auch nicht und schon gar nicht beim zeichnen). Da stellt sich dann schon die Frage, inwieweit man sich als Lehrkraft zurückzieht, um den Schülern zu ermöglichen, selbstständig und auch intimer zu arbeiten und wie oft man dann doch präsent ist und Hilfestellung gibt. Vielleicht ist es auch die Art, wie man mit der Intimität der Schüler in dieser Hinsicht umgeht (ist Intimität eigentlich das richtige Wort? Mir fällt gerade kein anderes, passenderes ein). In diesem Zusammenhang hatte ich in den letzten Tagen öfters den Gedanken, dass es sehr wichtig sein könnte, eine persönliche Ansprache zu finden, um auf Schüler zuzugehen. Ich denke, dass es wesentlich ist, Gesprächen Zeit und Raum zu geben. Das ist natürlich schwierig, wenn achtundzwanzig kleine Kinder vor einem sitzen und das Chaos um sich greift. Aber während der individuellen Beratung in der Stunde, wenn die Schüler praktisch arbeiten, ist es wichtig, sich auf einen oder zwei Schüler konzentrieren und zuhören zu können. Z.B. gab es heute eine Situation, in der ein Mädchen während einer Stunde, in der praktisch gearbeitet wurde, zu mir kam und an ihrem Bild nicht weiterarbeiten wollte; sie fand es blöd und ließ sich davon auch nicht abbringen. Und ich erwischte mich dabei, dass ich ihr Vorschläge machte, die sie gar nicht hören wollte anstatt ihr zuzuhören und rauszuhören, was sie dazu veranlasst hat, nicht weiterzumachen. Und das Problem quasi von Grund auf anzugehen. Schön fande ich an der Stunde, trotz Chaos, trotz der Lautstärke und dem Trubel, dass man das Gefühl hatte, es passiert bzw. entsteht etwas, an dem sich weiterarbeiten lässt und, dass es etwas ist, das die Schüler ziemlich direkt betrifft, weil die Geschichten sich in ihren Köpfen plötzlich materialisieren und dadurch auch greifbar und diskutierbar werden. Unterrichten macht auf jeden Fall mehr Spaß und ist auf Dauer sinnvoller als hospitieren. Und hält wach. Neben all dem Kaffee, den man sich während eines Schultages reinkippt, um wach zu bleiben oder einfach nur aus Gewohnheit oder Geselligkeit. – Stichworte. Da wäre ich bei dem Thema Lehrerzimmer. Gewöhnungsbedürftig scheinen mir der Trubel und das Wirrwarr dort (allerdings nur in den großen Pausen und vor der ersten Stunde), die mich ganz wuschig machen können. Hier scheinen die Regeln, die in Klassenräumen gelten, auszusetzen. Es wird also viel und einigermaßen laut kommuniziert. Ein Lehrer sagte mir, dass sei normal und wenn man Zeitung lesen wolle, solle man sich am besten in eine ruhige Ecke verziehen oder – wie ich – ungestört weiterlesen. Stimmt. Nett fand ich auch die Beobachtung, dass sich einige Lehrerkollegen auf die TAZ von vorgestern stürzten, die ich liegen gelassen hatte ;-) Für mich ist das Zeitung lesen eine Art Rückzug und Konzentration. Und auch, weil es mir noch schwerfällt, mich in das Lehrerdasein einzufinden. Ich fühle mich (noch) wie ein Fremdkörperchen – mit all seinen positiven und negativen Nebenerscheinungen. Vielleicht, da komme ich gerade beim schreiben dahinter, ist das Zeitung lesen auch eine Art Konstante im derzeitigen Schulalltag. Also etwas, das ich mit rüber nehme von meinem sonstigen Leben und Studieren hinein in den Arbeitstag. Interessant. Vielleicht gibt es noch weitere Ankerpunkte, die ich noch nicht entdeckt habe.
Was mir noch (neues) aufgefallen ist: Das die Kinder, wenn man den Gang entlang geht, um das Klassenzimmer aufzuschließen, in die Hand des Lehrers (hier:Praktikanten) einschlagen wollen – und es tun. Quasi zur Begrüßung. Irgendwie lustig. Aber auch irgendwie eine Masche, um sich dem Lehrer mehr auf der Ebene des Kumpels zu nähern und weniger als Autorität. Zum einen braucht es eine Autorität des Lehrers, um lehren zu können, zum anderen muss sie auch in Frage gestellt werden können, um nicht totalitär zu werden. Am besten ist, wenn man sich über die eigene Inszenierung bewusst ist und Autorität durch Persönlichkeit und Sachlichkeit erzeugt. Schön gesagt.
Bedenklich wird`s, wenn man sich während des Tages dabei erwischt, wie man Gegenstände (Tassen, Stecker, Stifte…) hin und her schiebt oder vollkommen sinnlos neu platziert. Spätestens dann sollte einem klar werden, dass man entweder ein Problem hat oder aber die Langeweile um sich greift. Mir persönlich fällt es schwer, mich an das Tempo einer Unterrichtsstunde zu gewöhnen, wobei es ja unterschiedliche Phasen innerhalb einer Stunde geben kann. Vor allem fällt schwer, dass man auch mal „Nichtstun“ aushalten müssen kann oder die merkwürdigen Nebenbeschäftigungen und das Geplauder der Schüler oder die natürliche Trägheit des Denkens. Das Tempo hängt auch von der jeweiligen Klasse bzw. Klassenstufe ab. Man kann als Lehrer nicht unbedingt sprühende Aktivität und Lust bei den Schülern voraussetzen – andersherum aber auch nicht. Ich bin der Meinung, dass die Lust des Lehrers (zu erklären, zu zeigen, zu denken, mitzuteilen, zu machen) sich auf die Schüler übertragen kann. Oder besser: Die Schüler merken, wann es auch für den Lehrer interessant wird und finden das wiederum interessant.
Ein weiterer Punkt, über den ich nachdenke und der mich wurmt. Die Sprache. Die Sprache wird in der Schule nicht auf akademischem Niveau benutzt. Das ist klar. Als Lehrperson muss man Inhalte übersetzen und so erklären, dass sie alle verstehen. Wuschig macht mich nun, dass ich zwischen verschiedenen Sprachebenen pendeln muss: Der universitären, der schulischen, der privaten und derjenigen, die zwischen den Lehrern stattfindet. Wobei ich jetzt nicht so genau sagen kann, welche Ebene die letztere ist. Auf jeden Fall gab es Tage vor allem in der zweiten und dritten Woche, an denen ich Begriffe durcheinander warf oder sie nicht erklären konnte oder sich meine Sprache verändert hat. Und auch der Ton (eigentlich das Unangenehmste, ich meine seine Veränderung). Plötzlich schwingt ein „So wird`s gemacht und nicht anders“ mit oder leichte Ironie oder ein distanziertes „Das musst du doch selber wissen“ oder ein „Ich sage, wo`s langgeht“. Im Hinterkopf immer das Wissen darum, dass man so eigentlich nicht ist bzw. vielleicht ein (kleiner schmutziger) Teil oder zumindest so nicht sein will. Da man sich selbst während des Studiums ein wenig Freiheit erarbeitet hat (es glaubt?) und den Zwang selbst nicht schätzt. Und nun muss man gerade den ausüben, weil sonst eine Klasse mit achtundzwanzig 6. Klässlern nicht funktionieren würde. Für eine Disziplinierung ist nicht nur ein strenger Ton, sondern sind auch Rituale notwendig. Daran mangelt es bei mir noch sehr.
Februar 23, 2008
Zwischenüberlegungen
Ich bin im Buch »Didaktik als Dramaturgie des Unterrichts« von Gottfried Hausmann auf ein Kapitel gestossen, in dem er den »fruchtbaren Moment im Bildungsprozess« beschreibt. Er bezieht sich auf Copei und schreibt, dass »das Wundern (…) entstehe, wenn der Bestand dessen, was im Weltbild des Schülers als selbstverständlich galt, durch einen ›Anstoß‹ erschüttert wird, wenn er ›fraglich‹ wird. Die ›Fragehaltung‹ des Schülers ist die natürliche Ausgangsitutation für den Bildungsvorgang. Nun entsteht das Suchen und Versuchen, das Drängen und Bohren. Die in der Fragehaltung schon begründete Spannung verstärkt sich noch und bereitet den Augenblick vor, in welchem der ›Durchstoß‹, das Überspringen des Grabens, der bisher von der Erkenntnis getrennt hatte, erfolgt – eben das ist der ›fruchtbare Moment‹.« Das Ergriffen werden liege dann im »Scheitelpunkt eines Spannungsbogens«.
Grundlage für den ›fruchtbaren Moment‹ sei eine gewisse Kultur des ›Gesprächs‹ in der Klasse. Das heißt, der Lehrer hat dafür Sorge zu tragen, dass eine vertrauensvolle, respektvolle, konzentrierte Atmosphäre in der Klasse entsteht, die es erst ermöglicht, dass Dinge sinnvoll gedacht und getan werden können. Eine gute Stimmung ermutigt die Schüler, sich auf etwas Neues einzulassen und sich auch voreinander im Gespräch zu öffnen. Leider hat der Lehrer nicht immer alle Faktoren, die dazu beitragen können, unter Kontrolle. Er kann zwar den Rahmen planen und muss wissen, was er will, wenn er in die Klasse kommt, aber trotzdem gibt es Unvorhersehbarkeiten. Der Lehrer, so Hausmann, müsse die Fähigkeit haben, sich an die Situation anzupassen. Die Auseinandersetzung mit einer Sache kann eine andere Dynamik hervorbringen als ursprünglich vom Lehrer geplant. Es gehe darum, abgesehen vom Plan und Konzept für den Unterricht, Raum für das Unvorhersehbare zu lassen.
Das klingt gut. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass das Chaos zumindest bei den jüngeren Schülern sowieso schon um sich greift. Dass es in solchen Momenten auch darum geht, zu strukturieren, klare Vorgaben zu schaffen (von denen dann auch wieder abgewichen werden kann; vielleicht auf eine intelligentere Weise). Man kann ja als Lehrer nicht davon ausgehen, dass alle Schüler Phantasie und eigene Ideen mit in den Kunstunterricht mitbringen. Es wäre schön, wenn man als Kunstlehrer zumindest eine Ahnung davon vermitteln kann, was es bedeutet, innerhalb einer vorgegebenen Aufgabe eine eigene Idee zu materialisieren, Prozesse durchzumachen und zu beobachten. Dass man sich in seinem Handeln auf seine Eigenart stützen, Entscheidungen treffen und begründen und eigene Grenzen formulieren kann.
Für eine gute Atmosphäre im Unterricht ist es wichtig, dass sich beide Seiten, Schüler und Lehrer, anerkennen. Dabei bin ich mir nicht sicher, welche Kriterien an den Lehrer angelegt werden, damit er anerkannt wird. Strenge? Humor? Lust? Wissen bzw. Können? Souveränität? Wille? Methodisches Geschick? Spontaneität?
Andersherum steht man in der Position des Lehrers vor derselben Frage: Was erkenne ich an?
Es gibt Lernziele anzustreben und Aufgaben zu erfüllen. Darüber hinaus aber auch noch den Schüler in seiner Eigenart. Es hört sich möglicherweise idealistisch an, aber grundsätzlich ist es ja auch wichtig (unabhängig von den Vorgaben), dass Impulse und Versuche des Schülers vom Lehrer anerkannt werden, bevor Kritik geübt wird. Das hat vielleicht auch etwas zu tun mit Motivation. Als Gegenstück zur Motivation kommt die Langeweile ins Spiel. Ich fand es leichter, mit dem Chaos in einer Klasse umzugehen, mit Fragen, mit den man nicht gerechnet hat als mit allgemeiner Langeweile und Schweigen. Was tun, wenn die Schüler keine Lust haben? Liegt es dann möglicherweise an der Aufgabenstellung, am Thema, an der Methode? Oder an der Altersstufe?
Wie wird es möglich die Langeweile zu durchbrechen und die Schüler zu motivieren?
- die eigene Lust zeigen
- Lust fordern und fördern
- die ersten Hürden bzw. Widerstände nehmen (z.B. durch Hilfestellungen, durchs Vormachen)
- Möglichkeiten und Alternativen aufzeigen, aufzeichnen, sichtbar machen
- ermutigen
Februar 23, 2008
7. Tag, Unterricht in einer 6. und 9. Klasse
In der 6. Klasse führten Philipp und ich die Collagearbeiten fort. Herr M. machte uns später darauf aufmerksam, dass wir diesmal den Unterricht von vorne begonnen haben und nicht wie beim letzten Mal hinten standen. Eigentlich macht es kaum Unterschied, da die Anordnung der Tische beide Varianten zulässt. Kinder bräuchten jedoch Rituale, um sich auf den Unterricht einstellen zu können. So eben auch einen ritualisierten Unterrichtsbeginn. Es dauerte eine Weile bis die Schüler zur Ruhe kamen. Solange warteten wir ab und schauten in die Klasse. Wir hatten einige (noch unfertige) Arbeiten der Schüler herausgesucht, um sie vorne zu besprechen. Sie hingen an der Tafel. Da die Klasse relativ groß ist und die Zeichnungen/Collagen auf DIN A3 sind, bezweifele ich, dass alle Kinder die Arbeiten vorne sehen konnten. Hinten fingen zwei Jungs bereits schon an, mit Scheren in Zeitschriften rumzuschneiden. Das zeigte uns, dass wir den theoretischen Teil kurz halten sollten, da die Schüler sichtlich unruhig waren und auch sagten, dass sie gerne mit dem Arbeiten weitermachen wollten. Es wurde noch einmal anhand der schon angefangenen Arbeiten und von uns herausgesuchten Künstlerarbeiten die Verwendung räumlicher Mittel auf der Bildfläche besprochen.
Beispiele sind (Richard Hamilton, Raoul Hausmann, Hannah Höch):
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Philipp hat versucht, eine räumliche Überschneidung von zwei Gegenständen anschaulich zu machen, indem er seinen Arm hinter die Tafel gesteckt hat. Der Arm wird von der Tafel abgeschnitten und wirkt somit räumlich weiter hinten.
Februar 17, 2008
Forschungsinteressen
Hier einige kleine Notizen. Vielleicht lässt sich an diesen Gedankenansätzen weiterforschen…
- Rituale im Unterricht
- Lust und Bildungsprozesse
- Lust und Bestrafung/Macht
- Autorität und Strafe
- Vortrag oder/und fragend-entwickelnder Unterricht?
- Dramaturgie/Inszenierung des Unterrichts
Februar 17, 2008
4. Tag, Unterricht in einer 10. Klasse
Da Herr M. am Freitag krank war, führten wir den Kunstunterricht vom Donnerstag fort. Eine Stunde mit einer 10. Klasse, Thema Essen und Kunst. Da wir in der vorherigen Doppelstunde schon eine Einführung und einen Überblick über das Thema gegeben hatten, ging es nun um eine Schwerpunktsetzung und Vertiefung des Themas durch die Schüler. Zu Beginn sollten die Schüler nochmal kurz zusammenfassen, was ihnen von der letzten Stunde in Erinnerung geblieben ist. Ich sammelte die einzelnen Kommentare an der Tafel. Dann versuchten wir den weiteren Verlauf des Projektes zu klären. Wir hatten ein Handout für die Schüler vorbereitet, auf dem die Aufgabenstellung formuliert war. Die Schüler sollen ausgehend von den Anstössen, die wir ihnen oder sie sich untereinander bereits gegeben haben, Recherchen zum Thema anstellen, Referenzmaterialien sammeln und ihre Ideen, Konzeptionen, Skizzen, Notizen, Bilder, Dokumentationen etc. in einer Prozessmappe materialisieren. Die Prozessmappe musst dabei nicht unbedingt einem Ordner gleichen, sondern kann auch die Form z.B. einer Sammlung in einem Karton annehmen. Eine alternative Form des Sammelns verhindert eine von vornherein vorgegebene Linearität und Ordnung der Materialien. Eine Schachtel hat den Vorteil, dass in ihr wichtiges und unwichtigeres Referenzmaterial durcheinander liegt und erst später in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden kann. Vielleicht indem man es auf dem Boden ausbreitet, eine Übersicht gewinnt und Verbindungen zieht. Während des Sprechens im Unterricht viel mir und Philip auf, dass uns Rituale und Methoden fehlen, die man benötigt, um den Unterricht zu beginnen und zu beenden, um Übergänge zu schaffen und um Schüler darauf hinzuweisen, dass es zu laut ist. Philip fragte einen Jungen, was man denn so sagt, um die anderen ruhig zu bekommen. Für mich stellt sich die Schwierigkeit, ein gutes Verhältnis zwischen Vortragen und dem Fragen stellen zu finden. Einerseits bin ich es aus der Uni gewöhnt Informationen aufzuarbeiten und zu referieren, andererseits funktioniert das in der Schule nur teilweise. Es geht ja auch darum, den Schülern Anstösse für ihre eigenen Arbeiten zu geben und nicht nur darum, sie in eine bestimmte Richtung zu führen und auf etwas Vorhersehbares zuzuarbeiten. Und je mehr Informationen der Lehrer ihnen zur Verfügung stellt, desto verwirrender und unübersichtlicher kann es für die Schüler werden, das sie in der Vielfalt möglicherweise keine Anknüpfungspunkte finden. Trotzdem bestehen die Schüler auf ein Ziel, eine klare Aufgabe, auf die sie hinarbeiten können.
Februar 15, 2008
Eine unvorhersehbare Begegnung
Unterricht am 2.Tag mit einer 5.KlasseWir springen quasi in den Unterricht hinein und nutzen zwei Freistunden, um eine Idee zu entwickeln und das Thema für den Unterricht vorzubereiten. Projekttitel: Eine unvorhersehbare Begegnung.Die Idee knüpft an den Arbeiten der Schüler an, die schon abgeschlossen wurden. Die Arbeiten bestanden aus Konstruktionen von schachtelähnlichen Gebilden, die in Form der Parallelperspektive auf kariertem Papier gezeichnet wurden. Die Schachteln bekamen den Charakter von Wolkenkratzern, die in einer großen Stadt in den Himmel ragen. Zwischen den Häusern entstehen Straßenschluchten und Straßenecken. Nun sollten die Schüler sich vorstellen, dass sich an einer Straßenecke in diesen Schluchten oder auf einem Hochhausdach eine Geschichte, eine unerwartete Begebenheit abspielt.Die handelnden Figuren in dieser Geschichte sollten collagiert oder gezeichnet bzw. pausend übertragen werden. Außerdem sollten die Figuren fiktionale Wesen sein, d.h. aus Einzelteilen zusammengesetzt sein, die aus unterschiedlichen Kontexten stammen. Magazine und Hefte, um Material auszuschneiden oder abzupausen, wurde von uns ausgelegt.Zur Anschaulichkeit der Aufgabe zeigten wir mehrere Bildbeispiele von künstlichen Wesen.Da wir von Anfang an wohl nicht ganz klärten, worauf wir hinaus wollten bzw. vergaßen die Aufgabe präziser zu formulieren, meldeten sich einige Schüler und sagten entweder, sie verstünden es nicht oder aber es ergebe doch keinen Sinn.Wir erklärten noch einmal die einzelnen Schritte. Gleichzeitig hielt ich die Schritte schriftlich an der Tafel fest, damit die Schüler sich an ihnen orientieren konnten.1. Schritt: Anfertigen kleiner Fenster-Schablonen, um mit ihnen einen Ausschnitt aus der schon vorhandenden Zeichnung zu wählen.2. Schritt: Zeichnerisches Übertragen des gewählten Ausschnitts, der Bühne sozusagen, auf der sich die (gruselige?) Begegnung abspielen soll, auf ein DINA3 Blatt.3. Schritt: Sichten von brauchbarem Material aus den Zeitschriften; Ausschneiden, Kleben, Collagieren, Abpausen, Zeichnen.4. Schritt: Experimentelles Anordnen der fantastischen Figuren auf der Bildfläche.Bei diesen Schritten gaben Philip und ich Hilfestellung. Zeitweise kam mir die Situation in der Klasse ziemlich wirr vor. Unübersichtlich auch. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Klasse aus dem Blick verliere, wenn ich mich auf die Arbeit eines Schülers konzentriere. Auch hätte ich gerne mehr Zeit für diese individuellen Hilfestellungen gehabt, um mich besser in die Vorgehensweise bzw. Ideen von jedem einzelnen Schüler reindenken zu können. Manchmal kam es mir so vor, dass ich die Schüler aus ökonomischen Gründen mehr motivieren und ermutigen würde, als eine wirkliche, kritische Hilfestellung zu geben. Insgesamt war die Atmosphäre gut und die Schüler haben die Zeitschriften ziemlich eifrig nach Merkwürdigkeiten durchkämmt.
Februar 14, 2008
Stein des Anstosses
Der war… Unterricht 3. Tag in einer 10.Klasse

Ist das Kunst? Das kann doch jeder machen. Jeder? Wer macht was und wie? Ekelig und Abstoßend. Fleisch und Blut? Tischordnung. Mit Wein gurgeln und spucken. Ausarten. Performance. Stein des Anstosses. Sein. Grenzüberschreitung. Tischsitten. Reglement. Oralapostel(r) konterkarieren Moralapostel. Gegen die gängige Moral und Sitte. Durch den Mund. Schweinerei. Kunst sind Bilder zum Aufhängen, die schön und gut gemacht sind. Fahrräder im Hintergrund. Ort des Geschehens als Teil der Performance. Die vier sehen aus wie Ramstein. Jedenfalls die beiden Gesichter, die man erkennt. Um das mal aufzulösen mit den Lebensmitteln. Auflösung möglich oder doch besser wild verrätseln oder interpretieren?
Das Amüsante…
Tortenschlacht im Malkasten. Performance.
Das Vernissagepublikum hat Spaß und lacht während der Performance. Keine strenge Anordnung bzw. Tischordnung. Sahne und Torten sind weich und süß und kein bißchen abstoßend. Tortenschlacht als bekanntes und beliebtes Motiv. Das ist lustig. Zirkus und Clowns, die mit Torten werfen. Ausufernd, aber ohne strenges Regelwerk.
Schleck… Oralapostel(r) in einer Performance mit Sahne hinter zwei Schaufenstern und sechs angebundenen Personen.
Das Publikum steht draußen.
Februar 14, 2008
Vorweg
Wer ich bin, wo ich bin
Ich mache mein Praktikum mit Philip zusammen an einer Gesamtschule in Hamburg. Wir studieren beide das Fach Kunstpädagogik und hospitieren und unterrichten deshalb auch gemeinsam im Kunstunterricht von Herrn M.
Zum Ort
Das Schulgebäude ist ein Neubau am Rande von Feldern. Vorteilhaft an dem Gebäude habe ich empfunden ist, dass es keine labyrinthischen Strukturen im Gebäude gibt. Auch dunkle oder unangenehme oder zugige Ecken, niedrige Decken usw. sind mir nicht aufgefallen. Dagegen sind die Räume, in diesem Zusammenhang vor allem die Kunsträume, verhältnismäßig klein bemessen. Die Großzügigkeit, die ein Kunstraum eigentlich haben sollte, findet sich hier nicht. Jedoch sagte uns Frau B., dass der Bau eines Nebengebäudes u.a. mit Atelierräumen in Planung sei.Darüber hinaus bietet der Schulhof den Schülern viel Platz zum Spielen. Herr M. berichtet und zeigt uns einen kreisförmig angelegten Erdwall, der sich zwischen Feld und Schulhof befindet. Dort soll im Sommer ein Beach-Club für die Schüler der GS entstehen: Sand, Holzterrasse, mit Kräutern begrünter und duftender Erdwall, Sitzmöglichkeiten (z.B. Strandkörbe) sind Teil des Konzepts, dass Herr M. anfertigte und das ursprünglich für das Foyer im Gebäude erstellt wurde. Auf dem Erdwall sollen Büsche (oder kleine Bäume?) gepflanzt werden, die den Blick von Außen nach Innen abschirmen und dadurch ein intimer Rückzugsort für die Schüler entstehen kann. Schön ist, dass (vorwiegend) die älteren Schüler an diesem Ort die Möglichkeit bekommen, in angenehmer Atmosphäre abzuhängen, zu dösen, sich zurückziehen, in der Sonne zu liegen usw. Der Beach-Club funktioniert auch als Brücke zum hippen, innerstädtischen Lebensgefühl.
Vorbereitung
Bevor das Praktikum begann, sind wir vorweg bereits zweimal mit Herrn M. in Kontakt getreten, um die Organisation des Praktikums mit ihm zu besprechen. Wir hatten den Eindruck, dass Herr M., aber auch die Schulleiterin Frau B., für Praktikanten offen, interessiert und jederzeit ansprechbar sind. Gut und intensiv betreut werden wir hauptsächlich von Herrn M. Ich habe jedoch vor über den Kunstunterricht hinaus, einige Stunden im Deutschunterricht zu hospitieren.

